Bodyshaming macht uns krank

2/2021
Kathrin Tschorn

Der Begriff Bodyshaming taucht seit einiger Zeit immer häufiger in Internet und Medien auf. Doch was ist Bodyshaming eigentlich genau? Welche Folgen hat es? Und vor allem: Was können wir gegen Bodyshaming tun?

Was ist Bodyshaming?   Bodyshaming ist eine Form von Mobbing. Es bedeutet, jemanden aufgrund seiner körperlichen Erscheinung zu beleidigen oder zu diskriminieren. Das kann jeden Körper treffen, aber vor allem weibliche Körper werden bewertend und herablassend kommentiert.  Bodyshaming betrifft dicke (Fatshaming) wie dünne Körper (Skinnyshaming), alte Körper oder Körper mit Behinderungen.

Welche Formen von Bodyshaming gibt es?   1. Inneres Bodyshaming Obwohl wir bei Bodyshaming meist zuerst an Beleidigungen durch andere denken, ist die häufigste Form von Bodyshaming die Kritik am eigenen Körper. Dabei bewertest Du Deinen Körper negativ oder vergleichst ihn mit anderen. Kommen Dir solche Gedanken bekannt vor? „Ich mag mich nicht, weil... ich hässlich bin / Pickel habe / zu dick bin / zu wenig Muskeln habe / mein Busen zu klein ist.“   2. Öffentliches Bodyshaming Diese Form von Bodyshaming hast Du bestimmt schon gesehen oder selbst erlebt. Auf Schulhöfen und in den sozialen Medien werden Körper ohne Rücksicht auf Verluste kommentiert. Manchmal sind Menschen direkt beleidigend und manchmal lästern sie hinter dem Rücken einer anderen Person: „Fettarsch!“ „Nippelbrett!“ „Lauch!“

Was macht Bodyshaming mit uns?   Du hast vielleicht schon einmal zu spüren bekommen, wie gemein Bodyshaming sich anfühlt und wie schlecht Du Dich danach fühlst. Dein Selbstbewusstsein ist dann im Keller. Doch Bodyshaming kann wirklich krank machen. Opfer von Bodyshaming bekommen Depressionen, Angsterkrankungen und Essstörungen. Sie sind auch körperlich anfälliger für Krankheiten. Und manche Mobbingopfer möchten sogar nicht mehr am Leben sein.

Was können wir gegen Bodyshaming tun?   Der Kampf gegen Bodyshaming beginnt stets bei Dir selbst. Denn Hand aufs Herz: Hast Du wirklich noch nie jemanden wegen seines Körpers beleidigt oder schlecht über ihn oder sie gedacht? Und wie gehst Du mit Dir selbst um?   Die erste und wichtigste Maßnahme gegen Bodyshaming ist, Dich nicht mehr daran zu beteiligen. Sobald Du merkst, dass Du in Deinem Kopf schlecht mit Dir redest, frag Dich, ob Du so auch mit Deiner besten Freundin oder Deinem besten Freund sprechen würdest. Was würdest Du zu ihnen in dieser Situation sagen?   Wenn Du Zeuge von Bodyshaming bist, dann lass es nicht unkommentiert. Du musst Dich dabei nicht unbedingt mit den Bodyshamern anlegen. Manchmal reicht es schon, wenn Du in einer Kommentarspalte voller Mobbing eine freundliche Nachricht hinterlässt.

Das kannst Du gegen Bodyshaming tun:   - Fang bei Dir selbst an - Beteilige Dich nicht - Schau nicht weg

Wie kannst Du Dich gegen Bodyshaming wehren?   Bist Du selbst von Bodyshaming durch andere betroffen, ist es hilfreich, wenn Du Dir Antworten auf Beleidigungen überlegst, die Bodyshamern den Wind aus den Segeln nehmen. Du kannst zum Beispiel sagen „Das ist nur Deine Meinung“ oder „Vielen Dank für Deine Meinung“. Oder Du ignorierst blöde Kommentare komplett und gehst wortlos weg. Wenn Dich Bodyshaming stark belastet – egal ob es von anderen oder Dir selbst kommt –, scheu Dich nicht, jemanden um Hilfe zu bitten, zum Beispiel Deine Eltern, Lehrende, eine Psychotherapeutin oder einen Sozialarbeiter.

Bodypositivity statt Bodyshaming   Es gibt leider keine Geheimwaffe gegen Bodyshaming. Das Grundproblem ist, dass wir glauben, der Körper würde uns irgendetwas über den Charakter eines Menschen verraten. Dicke Menschen sind faul, kleine Männer sind nicht stark, Menschen mit Behinderung sind dumm. Stimmt das? Nein. Lerne Menschen mit unterschiedlichen Körpern kennen. Besonders leicht ist das in den sozialen Medien, zum Beispiel über den Hashtag #bodypositivity.   Bodypositivity bedeutet, jedem Körper mit Respekt zu begegnen, auch Deinem eigenen. So kannst Du mit der Zeit lernen, Körper so zu akzeptieren, wie sie gerade sind. Auf diese Weise besiegen wir Bodyshaming ein für alle Mal.

(i) Body-Shaming und Social Media Eine Studie des Instituts für Jugendkulturforschung zeigt, wie 15- bis 19-jährige Mädchen und junge Frauen die damit verbundenen Problematiken wahrnehmen.

Die Autorin:

Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn ist Journalistin und Expertin für Bodypositivity. Mit ihrem Projekt Marshmallow Mädchen hilft sie dicken Frauen dabei, ihre Körper anzunehmen.