Yarvis Boutin sitzt lächelnd an einer Steinmauer und trägt ein petrolfarbenes JRK-T-Shirt. Rechts im Bild steht der Text: Interview – 4 Jahre Landesleitung – Yarvis Boutin.

Yarvis Boutin konnte in 4 Jahren als stellvertretende Landesleitung immer sie selbst bleiben

Yarvis Boutin, 31 Jahre, trifft am liebsten auf Veranstaltungen die Basis, da spüre sie genau, was die Arbeit bringt, sagt sie. Es sei einfach toll zu sehen, wie sehr sich die Leute freuen und, dass auch gesehen wird, was man macht. Im Amt könne man sein, wie man ist und müsse sich nicht verstellen. Auch deswegen habe sie sich immer wohlgefühlt.

„Man entwickelt sich mit dem Amt und wird zu einer Art Schutzengel für das JRK."

Welche Themen waren dir besonders wichtig und warum?

Ein zentrales Thema für mich ist der Zivile Bevölkerungsschutz – insbesondere die Beteiligung des Jugendrotkreuzes daran. Ich bin überzeugt, dass das JRK hier großes Potenzial hat, sich noch stärker einzubringen – und das über die klassische Erste Hilfe hinaus.

Für den Fall, dass in unserem Land einmal ein Katastrophen- oder Verteidigungsfall eintritt, müssen wir in der Lage sein, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Was können Kinder und Jugendliche tun, wenn der Alarm ausgelöst wird? 

Außerdem müssen wir uns bewusst machen: Wenn Sanitätsdienste oder die Bundeswehr im Einsatz sind, entstehen auch Betreuungsnotwendigkeiten für junge Menschen. Das heißt nicht, dass wir als Jugendrotkreuz diese vollständig übernehmen – aber wir können und sollten unsere Fachkompetenz einbringen.

Darüber hinaus liegen mir auch die Wettbewerbe sehr am Herzen. Für mich sind sie die schönsten Events im JRK: Man fährt mit der Gruppe weg, lernt neue Leute kennen – und kann zeigen, was man draufhat.

Was hast du positiv verändern können?

Ich glaube, ich habe die Sichtbarkeit des JRKs bei den anderen Gemeinschaften und die stärkere Einbindung des JRKs in den Gesamtverband voranbringen können. Gerade bei großen Themen, wie dem Zivilen Bevölkerungsschutz müssen wir unbedingt zusammenarbeiten.

Woran bist du gewachsen? 

Mein Verständnis für das Rote Kreuz in seiner ganzen Komplexität ist noch größer geworden. Ich verstehe im Alltag vieles anders - und besser. Auch politisch und sozialgesellschaftlich betrachtet, denn das Rote Kreuz hat eine solche Relevanz. Das hat mich sehr geprägt. 

Was waren deine schönsten Momente in deiner Amtszeit?

Da sind immer die Veranstaltungen mit der Basis. Ob Landeswettbewerbe, Bezirkswettbewerbe, Zeltlager oder das Supercamp jetzt. Es ist einfach so toll, weil man da genau spürt, was die Arbeit bringt. Man erlebt, wie sehr sich die Leute freuen und, dass auch gesehen wird, was man macht.

Warum ist das Amt für dich so besonders? 

Man hat die Chance, etwas zu bewegen und kann gestalten! Das Amt ist lässt so viel Raum. Auch eigene Ideen lassen sich verwirklichen. Es ist relevant, wie man sich einbringt und, dass man sich einbringt. Das ist cool. Außerdem bin ich viel herumgekommen, nicht nur im Verband, sondern auch in Deutschland. Man lernt so viel dazu, das ist für das ganze Leben.

Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, sich für das Amt zu bewerben?

Mir ist Ehrlichkeit wichtig. Ich habe viel erlebt und bin so viel herumgekommen. Es gab unglaublich viele schöne Begegnungen und Einladungen, viele herzliche Momente. Auf der anderen Seite können manche Dinge auch zehrend sein, langwierig. Manche Diskussionen erscheinen endlos. Man braucht Zeit und die nötige Motivation. Wir haben viel selbst gemacht. Unser Ziel war es, bei allen Themen auf dem aktuellen Stand und für andere ansprechbar zu sein. Ich glaube, die nun zweijährige Amtszeit erlaubt es, Dinge leichter abzustecken.

Was würdest du ihm*ihr raten?

Man sollte Dinge stets gut durchdenken. Manches erscheint auf den ersten Blick einfach und logisch, stellt sich dann aber als komplex heraus. Man entwickelt sich aber auch mit dem Amt und wird zu einer Art Schutzengel für das JRK. Man sollte offen sein, in der Kommunikation. Ich bin nun niemand der gerne große Reden vor vielen Leuten schwingt, aber ich habe es doch irgendwie hinbekommen. Auch haben wir viel Wertschätzung erhalten. Ich habe mich immer wohl gefühlt. Man kann sein, wie man ist und muss sich nicht verstellen.

Würdest du alles genauso wieder machen?

Im Großen und Ganzen ist es gut gelaufen. Im Nachhinein hätte ich mit dem Wissen, das ich heute habe, an der ein oder anderen Stelle vielleicht anders entschieden. Es ist aber nichts wirklich Gravierendes. Ich würde mir mehr internationale Begegnungen wünschen, wenn das leistbar wäre. Einfach, weil es nochmal ganz andere Leute zusammenbringt.

Wie hat dich das Amt in positivem Sinne verändert?

Auf jeden Fall fällt es mir leichter, vor vielen Menschen zu sprechen. Ich glaube, ich habe mehr Selbstbewusstsein und -vertrauen entwickelt. Das merke ich auch daran, dass ich mit meiner Meinung nicht mehr hinter dem Berg halte, sondern sie offen äußere.

Was nimmst du für dich mit?

Einiges an neuen Erkenntnissen und Erfahrungen, Freundschaften und eine neue, man muss es so sagen, Weltoffenheit. Es sind eben die Menschen und auch die Orte, die etwas mit dir machen. Aber auch dieses Erleben, dass es anderswo anders und auch gut läuft – und, dass dadurch wertvolle Impulse entstehen. Da ist einerseits eine Wehmut, dass die Zeit zu Ende geht, andererseits freue ich mich aber auch auf etwas mehr Zeit und neue Aufgaben. Mir liegt am Herzen, noch zu sagen, dass das alles nur so gut funktioniert, weil andere dahinterstehen. Die hauptamtliche Struktur ist so wertvoll. Wir haben viel Unterstützung erfahren, alle im Team haben die Themen mitgedacht und uns super begleitet.

Das Bild zeigt Heike Harenberg, freie Mitarbeiterin für Pressethemen im Bayerischen Jugendrotkreuz, in weißem Oberteil auf einem Portraitbild

Heike Harenberg, freie Mitarbeiterin für Pressethemen, schreibt hier für das Bayerische Jugendrotkreuz.

 

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