Kirk Thieme, Landesleiter des Bayerischen Jugendrotkreuzes, steht draußen an einer Steinmauer, trägt ein blaues Polo-Shirt mit JRK-Logo und lächelt in die Kamera. Rechts im Bild ist der Schriftzug: ‚Interview – 4 Jahre Landesleitung – Kirk Thieme‘

Kirk Thieme spricht über seine Amtszeit als Vorsitzender des Bayerischen Jugendrotkreuzes

Kirk Thieme, 34 Jahre, ist seit vier Jahren Landesleiter im BJRK. Die Schularbeit war und ist sein Steckenpferd. Aber auch die politische Bildung liegt ihm am Herzen. Jugendverbandsarbeit sei auch Demokratiearbeit, sagt er. Dass er im Team für die Landesleitung angetreten ist, hat ihm viel bedeutet. Man habe sich in die Augen geschaut und war sich sicher, dass das zusammen funktionieren wird.

„Durch die Gremienarbeit ist man am Puls der Zeit. Die Arbeit ist politischer, strategischer. Man setzt Schwerpunkte und gibt auch die Richtung vor, in die der Jugendverband geht.“ 

Welche Themen waren dir besonders wichtig und warum?

Mein Steckenpferd ist nach wie vor die Schularbeit. Im Landesausschuss ging es um strategische Inhalte und auf der Landesversammlung stand das Thema „Ganztagesförderungsgesetz – Herausforderungen und Chancen“ auf der Agenda. Das Thema haben wir auch im BJR und im JRK auf Bundesebene bespielt. Es ist gerade wichtig, dass wir hier unsere Position als Jugendrotkreuz und Jugendverband stärken.

Ein weiteres Thema ist die politische Bildung. Jugendverbandsarbeit ist auch Demokratiearbeit. Durch die Vertretung im BJR waren wir in engem Austausch und haben beispielsweise zur Europawahl informiert. Wir wollten im Team aber alle Themen besetzen, damit wir uns vertreten können und in allen Gremien präsent sind.

Was hast du positiv verändern können?

Nach Beginn unserer Amtszeit gab es ein Spitzengespräch, zu dem die neue Präsidentin geladen hatte. Teilgenommen haben das Präsidium und alle Gemeinschaftsleiter*innen. Das war im Jahr 2021, gegen Ende der Coronamaßnahmen, Lockdown. Es ist uns in dieser Runde gelungen, die Problemstellung für Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt zu rücken, die keine Orte mehr hatten. Jugendverbandsarbeit war in Präsenz nicht möglich. Die Auswirkungen kaum absehbar. Der Austausch hat viel Rückhalt gefunden, sodass über Weihnachten in Zusammenarbeit mit der Vizepräsidentin ein Papier entstanden ist, das an politische Stellen geschickt wurde. Wir haben damals Einfluss genommen, nicht nur als JRK, sondern auch so, dass sich andere für uns positioniert haben. Im Januar war dann das allererste Mal die Jugend- und Jugendverbandsarbeit auf der Agenda der Pressekonferenz.

Woran bist du gewachsen? 

Für mich gab es eine innere Verpflichtung und auch die Motivation für das JRK im Verband und außerhalb stets präsent zu sein und zu bleiben. Wir haben viele Kontakte für das JRK geknüpft und gepflegt. Die Dynamik im Verband war groß, etliche Sondersitzungen kamen hinzu. Auch unser 100 Jahre Event, das eins der tollsten Events war, das wir gemacht haben, hat viel Zeit gefordert. Der Balanceakt zwischen der Leitungskraft im Ehrenamt und meiner Führungsaufgabe in der Arbeit war, mit Blick auf das Zeitmanagement, anspruchsvoll. 

Was waren deine schönsten Momente in deiner Amtszeit?

Einer der Gründe, warum ich es so liebe, im JRK-Ehrenamt zu sein, ist, dass es den Verband überall gibt. Egal, wo man ist, man trifft überall JRKler. Man kommt viel herum, trifft coole Leute, die menschlich und authentisch sind. Dabei sind viele gute Freundschaften entstanden, oft auch über Hierarchiegrenzen hinweg. Ein besonderer Moment für mich war der Empfang anlässlich des 100-jährigen Jubiläums. Wir wollten eine Möglichkeit finden, Menschen zu ehren und etwas zurückgeben. Dieses Anliegen haben wir mit dem Jubiläum verknüpft. Die Veranstaltung war einfach wunderschön. Wir wollten sie zu einer wertschätzenden Erfahrung für alle Beteiligten machen und das ist uns auch gelungen.

Warum ist das Amt für dich so besonders? 

Man kann für die Kinder in Jugendlichen in ganz Bayern kämpfen. Die Arbeit ist nicht mehr nur rein operativ, sondern viel politischer, strategischer. Man setzt Schwerpunkte und gibt auch die Richtung vor, in die der Jugendverband geht. 

Welche Chancen liegen darin?

Durch die Gremienarbeit intern, aber auch extern, wie etwa im Jugendring, ist man immer am Puls der Zeit. Wo gehen andere hin? Was sind in der Breite die Themen, die Kinder und Jugendliche bewegen? So hat uns der politische Rechtsruck etwa veranlasst, die Demokratiebildung zu stärken. Aber es geht auch um Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz, die wir als Jugendrotkreuz schon seit vielen Jahren voranbringen. Die Frage muss lauten, was kann ich mit dem Verband dazu beitragen, dass diese Inhalte vorankommen? Als Humanitärer Verband rücken wir die Menschlichkeit in den Mittelpunkt, damit sich für die Gesellschaft etwas zum Besseren ändert. 

Was würdest du jemandem sagen, der überlegt, sich für das Amt zu bewerben?

Sei offen für neue Themen und vertrete kraftvoll deine Meinung, stellvertretend für die anderen. Zeitliche Flexibilität ist wichtig. Oft gibt es Besprechungen, die strategisch wichtig sind, die aber zeitlich ungünstig liegen. Wenn man es dann aber schafft, Präsenz zu zeigen, ist das extrem gut. 

Was würdest du ihm*ihr raten?

Mir hat viel bedeutet, dass wir als Team angetreten sind. Wir haben uns im Vorfeld in die Augen geschaut und waren uns sicher, dass das zusammen funktionieren wird.

Würdest du alles genauso wieder machen?

Aus der Rückschau betrachtet, vor dem Hintergrund, dass ich mich weiterentwickelt habe, würde ich das ein oder andere auch anders machen. Aber eher im Kleinen.

Wie hat dich das Amt in positivem Sinne verändert?

Nachdem ich gerade im Amt war, habe ich auch in der Arbeit in eine Führungsfunktion übernommen. Das war spannend. Wie geht man strategische Themen auf Arbeitsebene an und wie im Ehrenamt? Ich habe gelernt, wie man Menschen auf wertschätzende Art und Weise motiviert und auch, dass man einen Fokus setzen muss. Gerade im Wechselspiel der beiden Rollen ist es mir gelungen, jeweils neue Impulse zu setzen. Zudem kann ich mich viel besser auf unterschiedliche Persönlichkeiten und Charaktere einstellen.

Was nimmst du für dich mit?

Das sind die Begegnungen mit den vielen wunderbaren Menschen, die immer in meinem Herzen bleiben werden.

Das Bild zeigt Heike Harenberg, freie Mitarbeiterin für Pressethemen im Bayerischen Jugendrotkreuz, in weißem Oberteil auf einem Portraitbild

Heike Harenberg, freie Mitarbeiterin für Pressethemen, schreibt hier für das Bayerische Jugendrotkreuz.

 

Im Blog des Bayerischen Jugendrotkreuzes überwiegt die persönliche Meinung, sie steht über den Inhalten. So gelingt es den Autorinnen und Autoren Themen ausführlich aufzubereiten, zum Nachdenken einzuladen und Diskussionen zu erzeugen.

Die Beiträge im JRK-Bayern-Blog erscheinen unregelmäßig regelmäßig.

Reload content for this field