150 Tage JRK-Landesleitung: Sabrina, Marvin und Sebastian berichten
Seit 150 Tagen zieht die neue Landesleitung nun an einem Strang. Zeit für eine Zwischenbilanz. Wir sprechen mit Marvin, Sabrina und Sebastian darüber, wie es ihnen in ihrem neuen Amt gefällt, was sie angestoßen haben und wofür sie besonders kämpfen.
150 Tage im Amt ... wie geht es euch damit?
Sabrina: „Alles tutti. Schlaf könnte mehr sein.“ (lacht)
Sebastian: „Die Zeit verfliegt, ein Ereignis folgt auf das andere. Von Terminen in der Landesleitung, mit der Geschäftsstelle, mit dem Landesausschuss Jugend (LAJ) - die Wochenenden sind voll bepackt, so dass wir uns abgestimmt haben, wer macht was, damit es nicht zu viel wird. Aber es geht uns allen gut damit. Es macht viel Spaß und wir verstehen uns untereinander super.“
Wie oft habt ihr euch schon getroffen?
Sabrina: „Wir teilen die Termine grundsätzlich auf. Trotzdem ergibt es sich etwa alle zwei Wochen ein Treffen zu dritt. Zum Beispiel zuletzt bei der AG Schutz, da waren wir alle gemeinsam.“
Hattet ihr schon Highlight-Momente?
Sebastian: „Es gab einige Highlights. Für mich ist das auch nochmal anders, weil ich ja ursprünglich nicht aus dem JRK komme. Was für viele normal ist, ist für mich einfach nur WOW! Es ist die Vielfalt, die es für mich ausmacht. Man darf man mit so vielen spannenden Menschen und Charakteren zusammenarbeiten. Es sind die unterschiedlichen Aufgaben, Rollen und Gesprächspartner*innen, die mich begeistern.“
Was hat euch am meisten überrascht?
Sebastian: „Mich hat überrascht, wie leicht ich in das Amt gefunden habe. Das liegt daran, wie gut alles organisiert ist. Viele helfen zusammen. Man darf auch Fehler machen. Es ist alles perfekt strukturiert und gut geplant. Und trotzdem ist es menschlich. Es gibt einen großen Zusammenhalt. Davon bin ich auch überwältigt.“
Marvin: „Positiv überrascht hat mich, wie offen im Verband auch über Probleme gesprochen wird, über das, was nicht so läuft und wo wir besser werden müssen. Dass man sich direkt sagt, was nicht passt, das ist eine Kultur, die mir gut gefällt.“
Gibt es Schwerpunkte für jeden von euch?
Sebastian: „Für mich liegt der Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften, auch in der internen Organisation, also wie stellen wir uns als Jugendrotkreuz auf, wie kommunizieren wir in die Rotkreuz-Familie. Ich traue mir auch zu, Dinge anzupacken, bei denen man sich nicht nur Freunde macht und dazu in den Dialog zu gehen. Damit wir gemeinsam eine Richtung zu finden.“
Sabrina: „Bildung ist mein großer Schwerpunkt. Die Schularbeit ist eine Möglichkeit, Menschlichkeit zu vermitteln und sie Kindern und Jugendlichen als wesentlichen Baustein einer Gesellschaft mitzugeben. Wir wollen Lösungen erarbeiten, die dazu beitragen, dass die Erste-Hilfe Programme des JRK bayernweit regelmäßig umgesetzt werden und die Strukturen für die Basisarbeit verbessern.“
Marvin: „Mein Schwerpunkt liegt zum einen in der Jugendverbandsarbeit. Als JRK sind wir ein Verband mit eigener Meinung, mit eigenen Positionen, die wir selbstbewusst und lautstark nach innen und außen vertreten sollten. Außerdem möchte ich den Wettbewerbsbereich, der für uns so wichtig ist, weiter verbessern und cooler gestalten. Ein weiterer Schwerpunkt ist für mich die Internationale Zusammenarbeit, für ich die leidenschaftlich brenne. Ich hoffe nur, es bleibt bei allem genügend Zeit. Denn ich denke, man kommt nur weiter, wenn man sich mit den Partnern anderer Länder austauscht. Dadurch können wir Vorurteilen vorbeugen und über Grenzen hinweg für ein menschliches Miteinander kämpfen. Gerade in einer Welt, in der immer mehr kleines Denken stattfindet, ist es wichtig, dass wir national, innereuropäisch und international die Fahne der Menschlichkeit hochhalten.“
Worin seht ihr besondere Herausforderungen?
Sebastian: „Wichtig ist, dass wir die große Zahl an Aufgaben strukturieren und nichts vergessen. Auf der anderen Seite aber auch, dass wir uns nicht zu viel vornehmen. Wir wollen unsere Ziele verfolgen und im Verband gemeinsam an einem Strang ziehen. Damit sich jeder mitgenommen fühlt.“
Marvin: „Die Themen, die wir angehen, benötigen eines längeren Prozesses. Die Zeit ist begrenzt, wir müssen die Inhalte wohl dosiert umsetzen. Vor allem empfinde ich aber die gesellschaftliche Situation, die politische Lage und das inner- und außerverbandliche Geschehen als Herausforderung, in der wir als Jugendrotkreuz unsere Rolle finden müssen. Es gibt Kräfte in der Gesellschaft, die die Menschlichkeit verachten, die Hass und Hetze verbreiten. Wir müssen uns hierzu klar positionieren und Haltung zeigen. Die Ideale der Rotkreuzbewegung geben uns dazu den entsprechenden Rahmen. Eine weitere Herausforderung sehe ich darin, dass die Finanzierung der Jugendarbeit immer mal wieder diskutiert wird. Hier übernehmen wir Verantwortung, indem wir innerhalb- und außerhalb des Verbandes klar machen, wie zentral unsere Arbeit ist. Beispielsweise die Erste Hilfe in Kindergärten, an den Schulen, in den Jugendgruppen – das ist eine wichtige Arbeit, die die Gesellschaft zusammenhält.“
Welche Themen habt ihr konkret angestoßen?
Marvin: „Wir werden das Thema Notfalldarstellung in den Vordergrund rücken. Das haben wir gemeinsam mit dem Landesausschuss klar abgesteckt. Notfalldarstellung ist ein wichtiges Thema, gerade auch im gesellschaftlichen Kontext. Denn früher oder später kann es möglicherweise zu Katastrophenschutzfällen kommen. Dann müssen wir vorbereitet sein. In Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften wird die Notfalldarstellung dazu breitragen, dass die Menschen gut geschult sind und in Katastrophenschutzlagen sicher agieren und reagieren können. Weiterhin werden wir grundsätzlich über das Thema Bildungsarbeit innerhalb des Verbandes sprechen. Hier haben wir wahrgenommen, dass es Verbesserungsbedarfe insbesondere im Hinblick auf das Bildungsangebot für Gruppenleitungen gibt. Wir wollen zeitgemäße Lösungen anstoßen, möglicherweise auch hybride Modelle für mehr Flexibilität. Der Prozess hat gerade erst begonnen. Außerdem schauen wir auf strategische Prozesse. In unseren Arbeits- und Projektgruppen beschäftigen wir uns inhaltlich mit vielen Dingen, die den Verband und auch den Mutterverband weiterbringen. Beispielsweise die AG zum Schutz vor sexualisierter Gewalt, die ein sehr wichtiger Taktgeber, auch innerhalb des BRK, ist. Oder auch die AG Diversität, die sich mit vielfältigen Lebensmodellen beschäftigt und die auch den Mutterverband stärkt. Vor diesem Hintergrund wollen wir uns ansehen, welche Projektgruppen wollen wir künftig aufsetzen, welche Impulse wollen wir senden. Dafür werden wir auch Mehrfachstrukturen abbauen müssen, etwaige Überregulierung zurückfahren und Prozesse verschlanken. Um uns ein Bild zu machen, was in erster Linie die Gruppenleiter- und Kreisleiter*innen, die in der Praxis unterwegs sind, beschäftigt, haben wir eine große Verbandsumfrage durchgeführt. Darin fragen wir konkret nach, wie sie beispielsweise die Kommunikation finden, was sie für gut und was sie grundsätzlich für verbesserungswürdig halten. Das wird die Basis für unsere Arbeit sein. Diese Umfrage hat das Potenzial unsere Jugendarbeit an sich zu stärken. Denn wir sehen uns als Landesebene vor allem als Dienstleister für unsere Gruppenleiter*innen vor Ort. Unser Verband arbeitet von unten nach oben.“
Worauf freut ihr euch in den nächsten Jahren?
Sebastian: „Ich freue mich darauf, dass sich bei den Dingen, die wir angestoßen haben, etwas tut. Außerdem auf die Zusammenarbeit. Das Miteinander im gesamten Verband, das macht mir Spaß.“
Marvin: „Was mich außerdem freut, ist die Tatsache, dass es allen um die Sache geht. Dass es für alle um eine menschlichere Welt geht, dass wir füreinander einstehen und dass wir solidarisch sind. Bei Diskussionen geht es manchmal heiß her, das bedeutet, dass den Leuten etwas an den einzelnen Punkten liegt. Mir macht es super viel Spaß, zu sehen, mit wieviel Leidenschaft und Freude alle dabei sind. Ich finde, das sollte auch in der Gesellschaft mehr stattfinden, dass man mehr miteinander spricht und am Ende gute Kompromisse findet. Nur so kommt man vorwärts.“
Welche Hoffnungen habt ihr für die Zukunft?
Sabrina: „Mir liegt besonders am Herzen, dass die Werte, für die das Rote Kreuz steht, gesehen werden und, dass der Zusammenhang wieder klar wird. Wenn wir in Kindergärten und Schulen gehen, kümmern wir uns nicht nur um Erste Hilfe. Bei uns schwingt immer die Überzeugung mit, dass es sinnvoll ist, anderen zu helfen und niemanden auszuschließen. Wie sehr es auch jede(n) persönlich weiterbringt und erfüllt, uneigennützig zu handeln. Dazu leistet das JRK einen wichtigen Beitrag.“
Sebastian: „Wir müssen Dinge schneller voranbringen als in vier Jahren Amtszeit. Wir hoffen, dass sich so viel wie möglich verwirklichen lässt. Deswegen werden wir rasch entscheiden - damit es vorwärts geht.“
Marvin: „Es geht immer auch um die Perspektive nach außen. Wichtig ist, dass wir als JRK selbstbewusst auftreten und nicht vor unangenehmen Diskussionen zurückschrecken. Beispielsweise im Falle des sozialen Pflichtjahres, das wir eher kritisch sehen, weil eine Arbeit für Menschen besonders dann Sinn macht, wenn sie aus Überzeugung gemacht wird. Das ist nur ein kleines Beispiel. Meine Hoffnung ist, dass wir als Verband ein Stück weit lauter sind. Ein Stück weit lebendiger. Und, dass wir in diesen diffusen Zeiten, ein Stück weit Orientierung geben können. Ein Safe Space, in dem junge Menschen wachsen können, egal aus welchen Verhältnissen oder welchem Land sie kommen. Am Ende zählt nur die Menschlichkeit.“
Was sind eure nächsten Pläne?
Sebastian: „Als nächstes werden wir die Verbandsumfrage auswerten. Dazu kommt viel Kommunikation mit dem LAJ. Der Unterausschuss mit AG und Projektgruppen ist in Arbeit. Auch die Notfalldarstellung. Alle Dinge, die wir angestoßen haben, werden wir bis zum nächsten Treffen mit dem LAJ bearbeiten und auch erste Konzeptpapiere vorstellen.“
Was ist euch dabei am wichtigsten?
Marvin: „Für mich ist das Wichtigste, dass wir zusammenbleiben. Dass wir als Team denken und einander immer verständigen. Dass wir uns gut verstehen und vertrauensvoll miteinander arbeiten. Davon hängt alles ab. Nur dann können wir als Landesleitung etwas erreichen.“
Sabrina: „Für mich ist besonders wichtig, dass wir die Interessen von Kindern und Jugendlichen im Auge behalten, sie weiter stärken und uns nicht im Klein-Klein verlieren."
Marvin: „Das Allerwichtigste ist aber, dass uns der Spaß nicht ausgeht. In jeder Situation können wir auch immer mal lachen. Das ist wichtig, denn der Spaß ist die Grundlage für ein Miteinander und dann haben wir auch Erfolg.“
Heike Harenberg, freie Mitarbeiterin für Pressethemen, schreibt hier für das Bayerische Jugendrotkreuz.
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